kopf.png kinderhande.png vogel.png black_white.png hand_im_topf.png 2experten.png bemalte_hand.png kinderhand.png hand_am_ton.png fobi.png am_ton.png lehm_pflanze.png begleitung2.png kette.png vier_haende.png hand.png mitte2.png tonfeld.png schale.jpg hand_ton.png ton_hart.png heilerde.png mitte.png begleitung.png ton_weich.png

Arbeit am Tonfeld® – Bedeutung der Haptik

Haptik und Haptischer Sinn bezeichnen das Entwicklungspotential der Hände in Berührung und Bewegung, in Handlung und Gestaltung. Die Hände sind in diesem Sinn ein wahrnehmendes, selbsttätiges und sich selbst gestaltendes Organ. Die Arbeit am Tonfeld® bietet ein grundlegendes praktisches Erfahrungsfeld für haptische Entfaltung. Sie erzeugt einen lebendigen Raum für den haptischen Sinn und hat sich in der Wahrnehmungsschulung und als Praxisfeld in der Entwicklungsbegleitung bewährt.8

Die Haptik als Sprache der Hände hat, wie Prof. Deuser es ausdrückt, ihre eigene „Grammatik“, Gesetzmäßigkeiten also, in denen sich die Gesten, Bewegungen, Berührungen und Greifakte der Finger und Hände mitteilen. Wird zusätzlich die gesamte Körpersprache, also die Körperhaltung, Körperbewegungen und der Atem, in die Betrachtung einbezogen, so spricht Prof. Deuser von der „Grammatik der Bewegung“. In der Ausbildung zur Begleitung am Tonfeld wird diese Grammatik als "haptische Diagnostik" vermittelt, die eine zielgerichtete Begleitung möglich macht. Sie erlaubt es hierin geschulten BegleiterInnen und TherapeutInnen, in den Handbewegungen sowohl die nicht vollzogenen Entwicklungsschritte wahrzunehmen als auch das darin angelegte Entwicklungspotential, das angesprochen werden muss, um diese Entwicklungen anzuregen. Die Aufmerksamkeit liegt also nicht auf dem erzielten Resultat, sondern auf dem Ausdruck – dem so genannten Gestus – der Hände während des Gestaltungsprozesses.

Unter physischer Betrachtungsweise ist Haptik der Wahrnehmungs- und Handlungsspielraum des Tastsinns, insbesondere der Hände. Von Geburt an nehmen wir im Berühren und Zugreifen mit den Händen uns selbst, die anderen und unsere Umgebung wahr (Sensorik). Die sensorischen Nervenenden der Hände und der Haut melden über die Nervenleitbahnen alles Wahrgenommene an den sensomotorischen Bereich im Gehirn, in dem die Hände und die einzelnen Finger einen im Verhältnis zur Größe des restlichen Körpers überproportional großen Raum einnehmen. Dort werden diese Informationen verarbeitet, zugeordnet und gespeichert und zur Ausführung von Bewegung (Motorik) und Orientierung wieder aktiviert. Dieses Verarbeitungssystem wird Sensorische Integration (SI) genannt9 und ist einer der wichtigen Bausteine in der Betrachtung der Haptik der Hände.

Die emotionale, geistige und leiblich-seelische Entwicklung des Menschen ist also ganz eng mit seinen Händen und dem "Begreifen" im wörtlichen wie im übertragenen Sinn verbunden. Eine große Rolle spielen dabei die Basissinne:

  • Hautsinn – Sinn für Kontakt und Beziehung: Berührung, Kontakt, Vertrauen, Nähe und Distanz, die „mütterlichen Funktionen“ Halt und Geborgenheit, die das grundlegende Erleben jedes Menschen in den ersten Wochen und Monaten prägen

  • Gleichgewichtssinn – Sinn für Balance und Ausgeglichenheit: Orientierung, soziale Ordnung und Position, Elternbilder, emotionale Sicherheit in den beiden Eltern, Verlässlichkeit und Selbstempfinden, das Rechts-Links-Gleichgewicht als eine wichtige Voraussetzung für die körperliche Aufrichtung

  • Tiefensensibilität – Sinn für Stabilität und Struktur: Widerstand, Aufrichtung, Gegenüber, Positionierung, die „väterlichen Funktionen“, Handlungs- und Beziehungserleben

Eine gute Entwicklung der Basissinne (o.a. Nahsinne) ist Voraussetzung für die Fähigkeit des Menschen zu greifen. Das Ausmaß ihrer Entfaltung zeigt sich nicht nur körperlich, sondern wirkt sich auch auf die Emotionalität, das soziale Verhalten und die soziale Eingliederung aus. Durch die Bewegungen der Hände tritt – auch ohne Worte – das in Erscheinung, was den Menschen bewegt.10


[8] Anna Dorothea Brockmann, Marie-Luise Geiß (2011): Sprechende Hände ­ Haptik und Haptischer Sinn als Entwicklungspotential, Taschenbuch, 2011

[9], [10] Ute Vetter, Institut für Gesundheitsbildung IfG (2015): http://www.kraftquelle-frankfurt.de/42464.html, 16.09.2015